Finissage zur Ausstellung der Stadtbibliothek Saarlouis
„LOU MOL LO – Alfred Gulden – 50 Jahre Mundart“
Wänn de neme wääscht/ woo de schdescht/ Wänn de neme wääscht/
wohin de gescht/ wänn de neme wääscht/ wääa de bescht
So beginnt die erste Strophe eines Liedes von Alfred Gulden. Es spricht einen Orientierungslosen, ja, „Bodenlosen“, einen, der seinen Halt verloren hat, einen Heimatlosen an. Dem „Wänn“ folgt aber im zweiten Teil der Strophe ein „Dann“:
Dann mach dai Auen zou/ ganz fäscht, dann lou/ en daich mòòl ren, en Rou/ lòss da Zeit, lòss da Zeit/ geh en daich ren, geh weit/ zereck, woo de häakomm bescht/
Im Lied kommt genau das vor, was ein Thema der Reihe „ALFRED GULDEN – 50 Jahre Mundart“ der Stadtbibliothek Saarlouis und auch der dazugehörigen Ausstellung „LOU MOL LO“ ist: Sprache schafft Heimat, Identität.
1975 erschien der erste Mundartgedichtband „Lou mol lo laida“ von Alfred Gulden, 1976 der zweite „Naischt wii Firz em Kòpp“. In den 1970er gab es eine Zuwendung zum Dialekt in Zentraleuropa. Die regionalen Sprachen und Sprachen von Minderheiten wurden von verschiedensten Autoren für ihre Werke verwendet. Die Akteure sahen im Dialekt das Identitätsstiftende, das zugleich aber auch über Nationalgrenzen verbindend war, da der Dialekt nicht an der Zollstation aufhörte. Der Dialekt war Heimat, Heimat dort, wo man zu Hause ist. Die Heimat, die der Dialekt schafft, kann auch über Grenzen gehen. Auch unseren Dialekt, das Mosel-Fränkische, spricht man hüben wie drüben. Hört man seine Sprache, fühlt man sich nicht mehr so verloren. Akteure dabei waren Alfred Gulden und auch der progressive, elsässische Dialekt-dichter André Weckmann.
Alfred Gulden hatte für die Vernissage der Ausstellung den Titel „Mutter´s Sprache“ gewählt. Im gleichnamigen Essay zeigte er (s)einen ganz persönlichen Zugang zum Dialekt. Für die Finissage zur Ausstellung wählte er als Titel sein für ihn wichtiges Lied „WÄNN DE NEME WÄÄSCHT…“ „In diesem Lied sei vieles von dem, was er unter Herkunft, Rückbesinnung, Identitätsstiftung verstehe“ so Alfred Gulden.
Daher auch ein sehr passender Titel für die Abschlussveranstaltung der Reihe der Stadtbibliothek Saarlouis „Alfred Gulden 50 Jahre Mundart“ und die Finissage der Ausstellung „LOU MOL LO“.
In „WÄNN DE NEME WÄÄSCHT“ liest der Autor Texte wie “Der Heimatdichter als Mundartautor”, zeigt einen Film, und vor allem sind einige seiner Lieder zu hören (die er seit langer Zeit wieder öffentlich singt). Die Finissage ist eine der letzten Gelegenheiten, die Ausstellung „Lou Mol Lo“ in der Stadtbibliothek Saarlouis zu sehen, bevor sie am nächsten Tag schließen wird. Alfred Gulden wird an diesem Abend auch noch mal explizit über die Ausstellung, die Idee dahinter und die darin gezeigten Werke reden.
Die Stadtbibliothek Saarlouis lädt mit Alfred Gulden zu „WÄNN DE NEME WÄÄSCHT“
am Donnerstag, 26. Februar 2026 um 19 Uhr in ihre Räume im Theater am Ring ein. Der Eintritt ist frei!

