Was macht ein korrupter Bauamtsleiter, dem der Bürgermeister auf die Schliche kommt? Ganz einfach, er gibt vor, geisteskrank zu sein. So kürzlich geschehen in Oberesch, aber zum Glück und zur Unterhaltung aller Beteiligten, nur auf der Bühne. Die Theaterfreunde Oberesch haben sich in ihrer jüngsten Aufführung mit dem Titel „Ein Mann spielt verrückt“ im Dorfgemeinschaftshaus wieder einmal selbst übertroffen.
Eigentlich hat Bauamtsleiter Karl-Heinz von Meseburg, gespielt von Frank Riga, genug zu tun mit seiner raffgierigen Ehefrau und seiner esoterischen Tochter. Doch dann gerät Meseburg ins Visier des Bürgermeisters, denn der Bauamtsleiter hat sich beim Bau eines Bordells bestechen lassen. So heckt er kurzerhand mit seinem Freund, dem Dorfarzt Richard Schmeichel (Albert Kerber), den Plan aus, sich als geisteskrank und damit unzurechnungsfähig, auszugeben. Und so nahmen die im wahrsten Sinne des Wortes „irrwitzigen“ Verwicklungen ihren Lauf. Gerthilde von Meseburg (Melanie Engel) trägt die vermeintliche Geisteskrankheit ihres Mannes mit Fassung und versucht ohne Umschweife, mit dem Arzt anzubandeln. Denn irgendjemand muss schließlich ihren teuren Lebensstil finanzieren. Die Tochter Charlotte von Meseburg (Maria Fliegler) behandelt im heimischen Wohnzimmer ihre Patienten, darunter die Prostituierte Mandy, (Julia Ehm-Korb), die dort den Bauamtsleiter wiedererkennt, wodurch seine Bordellbesuche aufzufliegen drohen. Dazwischen taucht der Versicherungsvertreter Andreas Akte (Michael Engel) auf und verliebt sich in Charlotte, während der Zeitungsreporter Klaus Klever (Michael Heckel) den Machenschaften des Bauamtsleiters dicht auf der Spur ist. Damit sich die Ehefrau des Bauamtsleiters besser auf die Anbahnung einer neuen Liebschaft mit dem Arzt konzentrieren kann, engagiert sie für ihren Ehemann die Pflegerin Martha Münch (Marlene Lauer), die ihre autistische Tochter Rita (Jenny Lauer) mit zur Arbeit bringt.
Die verzwickte Rahmenhandlung aus der Feder der bekannten Theaterkomödien-Autorin Winnie Abel birgt, wie gewohnt, ein enormes humoristisches Potenzial, das die Theaterfreunde Oberesch in bester Manier auszuschöpfen wussten. Michael Engel mimte den Versicherungsvertreter als einen skurrilen und nervösen Mann mit näselnder Aussprache, dessen Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Theo Lingen wohl nicht ganz zufällig ist. Die meisten Lacher kassierte zweifellos Frank Riga, der als vermeintlich durchgedrehter Bauamtsleiter alle komödiantischen Register zog, egal ob er halbnackt auf allen vieren auf dem Boden kroch oder auf dem Sofa durch das Wohnzimmer „galoppierte“. Jenny Lauer, die Meisterin der Mimik, mit permanent debilem Gesichtsausdruck und besserwisserischen Zitaten aus ihrer stets bei sich geführten Enzyklopädie setzte immer wieder einen drauf, wenn man dachte, skurriler kann es nicht mehr werden. Nicht nur die Darsteller, auch die vielen Helferinnen und Helfer im Hintergrund haben wieder ganze Arbeit geleistet, angefangen bei den Bühnenbildnern Rolf Tumat und Michael Engel, über die Souffleuse Theresia Zenner, die Requisiteurin Gerlinde Scholtes, dem Grafiker Patrick Thalhammer bis hin zum Kaminbauer Stefan Ehm. Vier rundum gelungene Aufführungen, die wieder restlos ausverkauft waren und nach der Vorstellung gab es von Seiten der Zuschauer, die aus dem ganzen Saarland angereist waren, nur eine Frage: Wann bekommt man die Karten fürs nächste Jahr?

Andreas Akte (Michael Engel) versucht sich mit aller Kraft gegen die Annäherungsversuche von Mandy (Julia Ehm-Korb) zu wehren.

Gerthilde von Meseburg (Melanie Engel) hat für ihren Mann Karl-Heinz (Frank Riga) die Pflegerin Martha Münch (Marlene Lauer) engagiert, die stets ihre Tochter Rita (Jenny Lauer) im Schlepptau hat, während Charlotte von Meseburg (Maria Fliegler) (von links) sich ganz ihrer Esoterik widmet.

Dorfarzt Richard Schmeichler (Albert Kerber, rechts) bescheinigt seinem Freund Karl Heinz von Meseburg (Frank Riga, links) eine geistige Verwirrung, doch Zeitungsreporter Klaus Klever (Michael Heckel, Mitte) kommt ihnen so langsam auf die Spur.
Fotos und Text: Sabine Schmitt