Neue Melodien im Rathausturm begleiten die Innenstadt bis zum 17. Dezember
Die Europastadt Saarlouis schlägt andere Töne an. Dafür sorgt das Glockenspiel im Rathausturm am Großen Markt, dessen Melodien jetzt wieder zur Jahreszeit angepasst wurden. Bis zum 17. Dezember erklingen acht Lieder im täglichen Wechsel. Für die Umstellung war Handarbeit hoch über der Innenstadt gefragt.
Am Montagmorgen, kurz nach 11 Uhr, war der letzte Ton von „Im schönsten Wiesengrunde“ gerade verklungen. Thorsten Debong, Leiter des Amts für Gebäudebewirtschaftung und Flächenmanagement, stieg mit Reinhold Mansion durch das enge Treppenhaus im Rathausturm hinauf. Ihr Ziel war der kleine Raum mit dem Spieltisch und der Technik, die das Glockenspiel täglich zum Klingen bringt.
Bevor Mansion die Kontaktrollen austauschte, schaltete er vorsichtig die Ansteuerung der Glocken aus. „Sonst würde es jetzt die ganze Innenstadt hören, dass wir hier arbeiten“, erklärte er schmunzelnd. Denn hinter den vertrauten Melodien steckt ein elektromechanisches Zusammenspiel, bei dem jedes Loch in einer Folie einen Glockenton auslöst.

Der Spieltisch von welchem aus das Glockenspiel angesteuert wird.
Acht Lieder auf einer Rolle
Die Musik ist auf durchsichtigen, gelochten Folien gespeichert. Zu den festgelegten Spielzeiten laufen diese unter elektrischen Kontakten hindurch. An den ausgestanzten Stellen wird ein Kontakt geschlossen. Der dadurch ausgelöste Impuls steuert den Klöppel einer der 25 Bronzeglocken an. Aus der Abfolge der einzelnen Anschläge entsteht die Melodie.
Jede Rolle enthält acht Lieder, aufgeteilt in zwei Serien mit jeweils vier Stücken. Sie erklingen um 8, 11, 18 und 21 Uhr. Die beiden Serien wechseln sich tageweise ab. Dadurch ist jedes Lied alle zwei Tage zur gleichen Uhrzeit zu hören.
Mit dem nun eingesetzten Band II beginnt die erste Serie morgens mit „Lobet den Herrn“. Um 11 Uhr folgt „O wie ist es kalt geworden“, um 18 Uhr „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ und um 21 Uhr „Ade nun zur guten Nacht“. Am folgenden Tag übernehmen „Üb immer Treu und Redlichkeit“, „Ännchen von Tharau“, „Wer hat die schönsten Schäfchen“ und „Der Mond ist aufgegangen“ die vier Spielzeiten.
Reinhold Mansion zieht behutsam die neue Kontaktrolle mit der Folie auf.
Weihnachtsmusik zum Jahresende
Am 18. Dezember wechselt das Programm erneut. Dann kommt die Rolle mit der kürzesten Einsatzzeit im Jahreslauf zum Zuge. Ihre acht Weihnachtslieder begleiten die Innenstadt bis einschließlich 2. Januar. Anschließend kehrt Band II bis zum 19. März zurück. Danach übernimmt Band III das Frühlingsprogramm bis Juli. Band IV begleitet die weitere Zeit bis Ende Oktober.
Der Wechsel der Kontaktrollen gehört damit zu den regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten im Rathausturm. Während die Melodien automatisch abgespielt werden, wird das musikalische Programm weiterhin von Hand auf die Jahreszeit abgestimmt.
Saarlouiser Glockenguss seit mehr als sieben Jahrzehnten
Das Glockenspiel gehört seit der Einweihung des Rathauses im Jahr 1954 zum Klang der Innenstadt. Seine 25 Bronzeglocken wurden bereits 1953 von der Saarlouiser Glockengießerei Otto gefertigt. Sie entstanden damit im ersten Produktionsjahr der Gießerei am Standort Fraulautern. Zusammen wiegen die Glocken 1.740 Kilogramm und befinden sich im 27 Meter hohen Rathausturm.
Die Anlage ist mit der Turmuhr gekoppelt. Neben dem automatischen Betrieb lässt sie sich auch über den Spieltisch im Turmzimmer von Hand spielen. Dabei werden die Glocken jeweils durch einen innenliegenden Klöppel angeschlagen. Sie schwingen selbst nicht mit, ein Läuten ist deshalb nicht möglich.
Auch technisch hat sich das Glockenspiel im Laufe der Jahrzehnte verändert. 1967 wurde die Anlage von Wechselstrom auf Gleichstrom umgestellt. Das verbesserte die Klöppelanschläge und damit die Klangqualität. Eine umfassende Sanierung folgte 1997 und 1998. Dabei erhielt die Anlage auch eine Funksteuerung.
Das Glockenspiel im Rathausturm wurde 1953 in Fraulautern gegossen.
Fotos: Dominik Eder